Die Befreiung
»Groß Hesepe, Donnerstag, den 5. April 1945 […] Im Lager herrscht große Aufregung unter den Gefangenen: Allen steht die Erwartung der baldigen Befreiung ins Gesicht geschrieben… Es kann sich nur noch um wenige Stunden handeln. […] Es ist 18 Uhr: Unsere Kerkermeister sind verschwunden. Jetzt sind wir frei. Ich bin frei! Alle jubeln… Wie eine große Explosion bricht ein Freudenschrei aus den Herzen aller hervor. Es spielen sich bewegende Szenen ab: Die Gefangenen umarmen sich und wünschen einander und ihren Familien alles Gute.« [Tagebuchnotiz des italienischen Militärinternierten Tommaso A. Melisurgo, 8. April 1945, in: Hammermann, Gabriele (Hrsg.): Zeugnisse der Gefangenschaft: aus Tagebüchern und Erinnerungen italienischer Militärinternierter in Deutschland 1943–1945. München 2014, S. 237f.]
Nach Erinnerungsberichten ehemaliger Internierter befanden sich im Lager Groß Hesepe zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Italiener, davon 400 Kriegsversehrte und Schwerkranke, 100 Tbc-Kranke, 100 bei der Arbeit verstümmelte Soldaten und 40 Offiziere im Alter von mehr als 60 Jahren. Diese Militärinternierten blieben noch einige Wochen im Lager Groß Hesepe, bevor sie im geschlossenen Verband über Meppen abzogen.
Die britische Militäradministration richtete in Dalum und Groß Hesepe – wie auch an anderen ehemaligen Lagerstandorten – Auffang- und Wohnlager für „Displaced Persons“ („DPs“, engl. für eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist“) ein. Zu diesen „DPs“ gehörten unter anderem Kriegsgefangene, ehemalige KZ-Häftlinge sowie zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Krieges zur Arbeit in deutschen Betrieben verpflichtet worden waren.
Das Lager XI Groß Hesepe diente als Durchgangsstation für sowjetische Zivilarbeiter aus dem Baltikum (Esten, Letten, Litauer).
Die Lager XII Dalum und XI Groß Hesepe wurden bis Juni 1946 durch das DPAC (»Displaced Persons Assembly Centre«) 268 in Meppen betreut, im Anschluss unterstanden sie dem UNRRA-Team 228 (»United Nations Relief and Rehabilitation Administration« / Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen).